FOLKLOREZAUBER IN ETARA
AB 2006 ERWEITERT DAS FREILICHTMUSEUM ETARA SEINE DIENSTLEISTUNGEN MIT EINEM NEUEN ANGEBOT. NACH VORANMELDUNG HABEN SIE GELEGENHEIT, FOLGENDE DEMONSTRATIONEN UND MIT DEM VOLKSKALENDER VERBUNDENE BRÄUCHE ZU BERTACHTEN UND KENNENZULERNEN:
HOCHZEITSBRAUCHTUM
Die Hochzeit ist ein altertümlicher bulgarischer Familienbrauch, der die Beziehungen der Neuvermählten und deren Familien regelt. Charakteristisch ist die feierliche Stimmung, getragen von mannigfaltigen Ritusliedern und - tänzen. Die traditionelle bulgarische Hochzeit mutet sehr vital an und ist reich an Riten, die Familienglück, zahlreiche Kinder und Wohlstand der jungen Familie herbeirufen sollten. Das Hochzeitsbrauchtum umfasst mehrere Attraktions - und Unterhaltungselemente, die es dem volkstümlichen Theater näherbringen und zu einem unvergesslichen Ereignis für die ganze Gemeinschaft machen.
Auf Anmeldung des jeweiligen Reiseveranstalters werden im Freilichtmuseum Etara Auszüge aus dem Hochzeitsbrauchtum der Region Gabrowo präsentiert. Die Präsentation umfasst Musik und Tanz und gewährt Einblick in die dazugehörigen Utensilien und Kostüme.
DAUER: 20 MINUTEN.
WEIHNACHTEN
Weihnachten ist eins der grössten Feste im Jahr und wohl das ritusreichste Winterfest. Es fällt mit dem Beginn des neues Sonnenjahres zusammen und weist mehrere Zauber - und Beschwörungspraktiken auf, die Familien- und Wirtschaftswohlstand herbeirufen sollen.
Eins der attraktivsten und vitalsten Elemente des Festes ist "Koleduwane". Die Teilnahmer sind junge Männer in traditionellen Kostümen, die einen charakteristischen Schmuck an der Pelzmütze tragen. Sie ziehen von Haus zu Haus und singen spezielle Lieder, die den Rituswunsch für gute Gesundheit, Familienglück und gute Ernte darstellen.
Der Weihnachtssegen, gesprochen vom Anführer der Gruppe, ist die verbale Beschwörung, die der Familie Gesundheit und dem Haushalt Wohlstand im kommenden Jahr bringen soll.
Die Gastgeber beschenken die Teilnehmer mit Ritualbroten, Fleisch, Bohnen, Trockhenfrüchten, Garn usw. Das Fest "Koleduwane" endet mit einem gemeinsamen Essen.
ZEIT: 25. DEZEMBER
DER BRAUCH KANN AUCH IN DEN ANDEREN WINTERMONATEN PRÄSENTIERT WERDEN.
DAUER: 20 MINUTEN.
LAZARUVANE UND KUMITSCHENE /LAZARUSTAG UND PALMSONNTAG/
Die Frühlingsfeste Lazarustag und Palmsonntag /im Volksmund auch Blumentag genannt/ sind mitunter die poesiereichsten und schönsten Jungfrauenfeste, die den Blumen, der Liebe und der Fruchtbarkeit gewidmet sind. Sie sind Teil des Osternbrauchtums und hängen mit der Erneuerung und Wiederbelebung der Natur zusammen. Die festlich gekleideten und mit Brautschmuck dekorierten Mädchen /im Alter von 12 bis 15 Jahre/ ziehen, einen Korb in der Hand, von Haus zu Haus und singen einen Liedwunsch für jedes Familienmitglied. Ihre Lieder sind eine verbale Beschwörung für Gesundheit, Fruchtbarkeit und Wohlstand. Diese Lieder sind mitunter die poesiereichsten Lieder der bulgarischen Folklore und weisen ausgesprochene Liebes - und Heiratselemente auf. Die Gastgeberin beschenkt die Mädchen mit Geld, Mehl und unbedingt mit Eiern, die den Lebensanfang und den Naturzyklus symbolisieren.
Am nächsten Tag, Palmsonntag, versammeln sich die Mädchen am Fluss. Ein jedes lässt einen kleinen, aus Weidenzweigen geflochtenen Kranz ins Wasser. Die Weidenzweige symbolisieren die Wiederbelebung im Frühling. Der Brauch besagt, dass das Mädchen, dessen Kranz sich als erster einen Weg bahnt, im laufenden Jahr die erste Barut wird.
Die Frühlingsfeste, die im Freilichtmuseum Etara präsentiert werden, enthalten viel Musik, Lieder und Tänze. Die Teilnehmerinnen sind in festlichen Folklorekostumen gekleidet und bieten den ZuschuerInnen die Möglichkeit, einen Einblick in die zum Fest gehorigen Utensilien zu nehmen.
ZEIT: 23. APRIL
DER BRAUCH KANN AUCH IN DEN ANDEREN JAHRESZEITEN PRÄSENTIERT WERDEN.
DAUER: 30 MINUTEN.
BEISAMMENSEIN
Das Beisammensein /genannt auch Spinnstubenabend/ war mitunter die popularste und beliebteste Umgangs - und Unterhaltungsform für die jungen Leute. Das Stelldichein fand da statt, ebenso das Verlieben und die Brautwahl.
Das Beisammensein fand in je einem Haus statt, wo ein Mädchen wohnte. Es geschah am Abend, wenn die Hausarbeit, bzw. die Arbeit auf dem Feld getan worden war. Jedes Mädchen brachte sich eine Handarbeit mit - zum Spinnen, Stricken oder Sticken. Die versammelten Mädchen stimmten laut ein Lied an, was für die jungen Männer das Zeichen war, dass sie kommen durften. Jeder junge Mann setzte sich neben sein Mädchen und die Neckereien gingen los. Bei einem Beisammensein wurden lustige Lieder, bzw. Liebeslieder gesungen, die Gastgeberin bewirtete alle mit Fruchten, gekochtem Mais usw. Es kam des öfteren vor, dass ein junger Mann seine Auserwählte "entführte" und sie als seine Braut nach Hause brachte.
Der Brauch beginnt im Herbst, nach Marias Tag /28. August/, wenn die Arbeit auf dem Feld grösstenteils beendet worden ist und dauert bis zum Frühling.